geboren am 23.12.1966 in Berlin-Mitte


BERUFLICHE STATIONEN

  • » 1992-2001 freier Schauspieler und Regisseur in Berlin und Potsdam
  • » 1998-1999 Regisseur und Produktionsleiter beim Lausitzer Opernsommer (Land Brandenburg)
  • » 2001-2009 Verwaltungsdirektor am Landestheater Detmold ab 2006 als Kaufmännischer Geschäftsführer der GmbH
  • » 2006-2009 Geschäftsführer des Detmolder Sommertheaters
  • » seit 2004 Gründer und künstlerischer Leiter des Puppentheater-Festivals „FIGURA MAGICA“ in Detmold
  • » seit 2004 Stellvertretender Vorsitzender der Landesbühnengruppe im Deutschen Bühnenverein
  • » 2009-2012 Intendant des Theaters der Altmark/Landestheater Sachsen-Anhalt Nord
  • » seit 2012 Intendant und Geschäftsführer des Theaters Vorpommern in Stralsund, Greifswald und Putbus

AUSBILDUNG

  • » 1985 Abitur in Berlin-Friedrichshain
  • » 1987-1991 Schauspiel- und Puppenspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin
  • » 1991-1992 Stipendiat der französischen Regierung: Schauspielstudium am Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique in Paris, u.a. bei Daniel Mesguich, Mario Gonzalez und Ariane Mnouchkine
  • » 1995-2001 Studium der Betriebswirtschaftslehre (Schwerpunkte Marketing und Allgemeine BWL) sowie der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin

Theater Vorpommern

Das Theater Vorpommern ist das seit 1994 fusionierte Stadttheater der Hansestädte Greifswald und Stralsund an der Vorpommerschen Ostseeküste. Seit 2006 gehört auch das historische Residenztheater in Putbus auf der Insel Rügen zum Theaterverbund. Das Theater hat 277 Beschäftigte. Das Musiktheater ist in Stralsund beheimatet, das Schauspiel und das Ballett Vorpommern in Greifswald. Jährlich werden bis zu 1.000 Veranstaltungen aller Genres angeboten. In der Spielzeit 2013/2014 erreichte das Theater mehr als 173.000 Zuschauer.

Seit Beginn der Spielzeit 2012/2013 konnte die Anzahl der eigenen Produktionen deutlich erhöht werden, was der Vielfalt des Angebotes, darunter viele neue Formate für Kinder und Jugendliche, zu Gute kommt. Kooperationen mit freien Theatergruppen wie dem Puppentheater HANDGEMENGE (Neubrandenburg/Berlin) und der Tanzgruppe PERFORM(D)ANCE (Stralsund) oder mit der OPERA NA ZAMKU W SZCZECINE (Stettin, Polen) erweiterten den künstlerischen Spielraum. Viel beachtete Produktionen wie SURROGATES.MEIN ZWEITES ICH, MEIN NAME SEI MENSCH (Träger des Hauptpreises im Bundeswettbewerb KINDER ZUM OLYMP 2014) oder mit LOHENGRIN die einzige Wagneroper im Jubiläumsjahr 2013 in Mecklenburg-Vorpommern wurden so möglich. Die Kooperationen wurden gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, von der Euroregion Pomerania und der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit.

Alle Ensembles, das jung besetzte Opernensemble, das Schauspielensemble, das Ballett Vorpommern wie auch das Philharmonische Orchester Vorpommern erfreuen sich aufgrund der hohen Qualität ihrer Arbeit einer breiten Anerkennung. Ein Ausbau der theater- und konzertpädagogischen Angebote und Kooperationsverträge mit mehr als 20 Schulen geben dem Zusammenwirken von Theater und Bildungsträgern ein neues Fundament und verhelfen zu breiterer Wirkung.

Aufgrund der schwierigen Finanzlage der Kommunen verhandelt das Land Mecklenburg-Vorpommern mit den Trägern des Theaters über eine weitere Theaterfusion mit der Theater- und Orchestergesellschaft Neubrandenburg-Neustrelitz.


Theater der Altmark Stendal

Das Theater der Altmark/ Landestheater Sachsen-Anhalt Nord ist die zentrale Kulturinstitution im zweit-dünnstbesiedelten Landstrich Deutschlands. Seit 1995 im neu konzipierten Theaterbau von Werner Ruhnau nur noch mit der Sparte Schauspiel aktiv, hat sich das TdA als eines von drei Landesbühnen im Land Sachsen-Anhalt etabliert. Auf dem Programm steht das klassische Stadttheater-Repertoire ebenso wie ein breit gefächertes Angebot an Kinder- und Jugendtheater-Produktionen und (seit 2006) Musical-Eigenproduktionen. Zu den Herausforderungen des Standorts zählen die Verbindung von zentralem Stadttheater-Angebot in der größten Stadt der Altmark (Stendal mit 36.000 Einwohnern) mit weitreichender Präsenz in der Region und einem Abstecherbetrieb, der regelmäßig Theater von Arnstadt in Thüringen bis nach Cuxhaven an der Nordsee bespielt.

In drei Spielzeiten 2009 bis 2012 gelang es, den Spielplan des Theaters um viele Formate und eine Vielzahl zusätzlicher, kleinformatiger Produktionen zu erweitern. Auch hier stand der Gedanke Pate, für jede Altersklasse in jeder Spielzeit passende neue Angebote zu produzieren. Bereits in der ersten Spielzeit konnten so die Zuschauerzahlen am Stammsitz der Landesbühne gesteigert werden, aber der Spielzeit 2010/2011 griffen auch die Gastspielbühnen vermehrt zu. Das kleine Theater erwarb sich in kürzester Zeit den Ruf, qualitativ hochwertiges, frisches und engagiertes Theater zu bieten und trat immer wieder auch überregional in Erscheinung. Inszenierungen wie FAUST 1, COVERGIRL, WARTEN AUF GODOT, AJAX, MACBETH oder ANATEVKA wurden vom Publikum wie von der Presse geschätzt.
Erstmals wurde eine Puppenspielerin Mitglied des Ensembles und so konnte auch der ästhetische Rahmen des Theaters deutlich erweitert werden.


Landestheater Detmold

Das Landestheater Detmold ist mit beinahe 190 Jahren eines der traditionsreichsten Theater in Nordrhein-Westfalen. Das ehemalige Hoftheater der Fürsten zur Lippe in der beschaulichen Residenzstadt Detmold ist mit den Sparten Musiktheater, Ballett und Schauspiel heute das größte von vier Landestheatern im bevölkerungsreichsten Bundesland und ist mit seinen Produktionen bundesweit unterwegs. In den Jahren 2003 bis 2005 war die Trägerstruktur des Theaters (Jahresetat heute ca. 19 Mio €) im Verfall begriffen: der Verein aus anfangs 26 Kommunen und Landkreisen verzeichnete Austritte von Gemeinden, das Land NRW reduzierte seine Zuschüsse. Im Jahr 2006 gelang es, die Trägerschaft durch Umwandlung des Vereins in eine GmbH zu reorganisieren. Die Entscheidungswege konnten auf diese Weise deutlich effizienter gestaltet und Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt werden. Nicht nur der Umgang mit Tarifsteigerungen (regelmäßig ein Problem der Theaterfinanzierung) konnte vertraglich vereinbart werden, sondern erstmals auch eine mittelfristige Planbarkeit der Zuschüsse des Landes NRW.

Intern konnte ab 2004 mit der „Produktionsplanung“ ein neues Instrument zur wirtschaftlichen Steuerung des Theaters implementiert werden, welches erstmals eine genaue Kostenplanung und damit die Aufstellung und Einhaltung realistischer Haushaltspläne ermöglichte. Ab 2007 gehörte das Landestheater zu den bundesweit ersten Theatern, die eine Personaleinsatz-Planungs-Software einführte.


Detmolder Sommertheater

Das Detmolder Sommertheater ist – anders als sein Name vermuten lässt – ein Theaterbau von 1898 mit historisch wertvoller Fachwerk-Architektur mit ganzjähriger Bespielung. Seit 2003 steht das durch eine Bürgerinitiative wieder aufgebaute und seitdem betriebene Sommertheater vor allem der Detmolder Hochschule für Musik und dem Landestheater Detmold für ihre Produktionen und Konzerte zur Verfügung. Daneben werden die Kosten des Betriebes durch weitere Mieteinnahmen gedeckt. Als „vierte Säule“ sind eigene Produktionen vorgesehen. 2004 wurde so das Puppentheater-Festival „FIGURA MAGICA“ gegründet, das inzwischen zu einem festen Bestandteil der kulturellen Agenda der Stadt geworden ist. Nach Übernahme der Geschäftsführung 2006 startete u.a. die eigene Veranstaltungsreihe „bekannt“ – Musikkabarett und Chanson, ausgewählt und präsentiert von der regional bekannten Sängerin Ulrike Wahren. In den Jahren 2006 und 2008 kamen zudem eigene Theaterproduktionen heraus: die Schiller-Adaption „Räuber gesucht!“ und die Uraufführung der Theaterversion des Jugendbuch-Bestsellers „Der mechanische Prinz“ von Andreas Steinhöfel in einer Mischung aus Puppenspiel und Schauspiel, koproduziert mit dem Theater des Lachens in Frankfurt (Oder).


Lausitzer Opernsommer

1998 und 1999 führte die Übernahme der Produktionsleitung des Lausitzer Opernsommers zu ersten praktischen Erfahrungen im Theatermanagement und im verantwortlichen Umgang mit einem Produktionsbudget. Das mit öffentlichen Projektzuschüssen und privaten Sponsorengeldern finanzierte Opernfestival produzierte italienische Barockopern vor Lausitzer Gutshäusern und erreichte eine landesweit beachtete Qualität und Originalität der Aufführungen in den von Landwirtschaft und Bergbau geprägten Region.


REGIEARBEITEN

  • » Anatevka (Übernahme) Theater Vorpommern [2014]
  • » Der Mechanische Prinz (Übernahme) Theater Vorpommern [2014]
  • » Lohengrin (Wagner) Theater Vorpommern / Opera na Zamku w Szczecine, Polen [2013]
  • » Krach in Chiozza (Goldoni) Theaterakademie Zinnowitz [2013]
  • » Rigoletto (Verdi, in ital. Sprache) Theater Vorpommern [2013]
  • » Die Ballade vom traurigen Café (Edward Albee nach Carson McCullers) Theater Vorpommern [2012]
  • » The Fantasticks (Musical von Tom Jones und Harvey Schmidt) Theater der Altmark [2012]
  • » Macbeth (Shakespeare) Theater der Altmark Stendal [2011]
  • » Klein Eyolf (Ibsen) Theater der Altmark Stendal [2010]
  • » AJAX (Sophokles) Theater der Altmark Stendal [2010]
  • » Norway.Today (Bauersima) Theater der Altmark Stendal [2010]
    Norway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.TodayNorway.Today
  • » Anatevka (Stein/Bock/Harnick) Theater der Altmark Stendal [2010]
  • » Faust 1 (Goethe) Theater der Altmark Stendal [2009]
  • » Die Wanze (Shipton) Theater der Altmark Stendal [2009]
  • » Der mechanische Prinz (UA – S. Löschner/Steinhöfel) Detmolder Sommertheater [2008]
  • » La Serva Padrona (Pergolesi) Lausitzer Opernsommer [1999]
  • » Hiroshima mon amour (nach Duras) Vaganten-Bühne, Berlin [1995]
  • » La Princesse blanche/Die weiße Fürstin (Rilke) Théâtre de Nesle, Paris [1992]

GESPIELTE ROLLEN (AUSWAHL)

  • » Karlanner Die Rassen (Bruckner)
  • » Tom Die Glasmenagerie (Williams)
  • » Garcin Geschlossene Gesellschaft (Sartre)
  • » Russ Rigel Total krass (Mastrosimone)
  • » Flieger Der kleine Prinz (Saint-Exupéry)
  • » Don Alberto Das Vergnügen, verrückt zu sein (De Filippo)

Termine s.u. www.theater-vorpommern.de

Pressestimmen zu „Anatevka“ (Übernahme der Inszenierung an das Theater Vorpommern 2014)

Umjubelte „Anatevka“-Premiere im Theater

Man hatte schon den Eindruck, als wollte der Applaus gar nicht enden. Schier aus dem Häuschen schienen die rund 450 Besucher Freitagabend im ausverkauften Theater nach fast drei Stunden „Anatevka“. Keine Frage, die Aufführung des…Broadway-Musicals trifft in ihrer spritzigen Art den Nerv des Publikums[…] „Anatevka“ ist keine Musiktheater- sondern eine Schauspiel-produktion. […] Sowohl die musicalerfahrenen Künstler in den Hauptrollen, als auch die fest am Theater engagierten Mimen und der eigens für die Aufführung aus sangesfreudigen Laien gegründete Chor schlagen sich bravourös. […] Ein Super-Einfall ist die musikalische Begleitung statt großen Orchesters durch eine Klezmer-Band […]
(Ostsee-Zeitung, März 2014)


Pressestimmen zu „Lohengrin“

Das radikal Andere

Die Künstleragenturen waren zunächst perplex, als Dirk Löschner, der Intendant des Theaters Vorpommern, für seine Inszenierung von Richard Wagners Schwanenrittermär einen „asiatischen Lohengrin“ suchte. Er hat ihn aber bekommen: Der Koreaner Junghwan Choi meisterte die Premiere in Stralsund mit einem ebenso kräftigen wie überaus klangschönen Tenor. Bei Löschner platzt Lohengrin als das radikal Andere in Gestalt eines fernöstlichen Ritters mitten ins Europa zwischen den beiden Weltkriegen. Die pentatonische Färbung seiner Auftrittsphrase füllt sich dadurch verblüffend mit neuem Sinn. Heinrich (Tye Maurice Thomas) ist hier kein König, sondern der noble, wenngleich mürbe Präsident einer instabilen Republik. Geschickt wertet Löschner Regie den Heerrufer zum Spielmacher auf (mimisch und stimmlich glänzend: Alexandru Constantinescu), der im Gewand eines Varietébetreibers den politischen Umsturz plant […] Diese Inszenierung am Theater Vorpommern […] war 2013 die einzige die einzige szenische Produktion einer Wagner-Oper in ganz Mecklenburg-Vorpommern […] Löschner, seit 2011 im Amt, wollte aber im Wagner-Jahr unbedingt Wagner machen. Die erhoffte Unterstützung vom Volkstheater Rostock bei der Aufstockung des Chores blieb aus[…] Da sondierte Löschner die Möglichkeiten, gemeinsam mit der Schlossoper Stettin […] einen deutsch-polnischen „Lohengrin“ auf die Beine zu stellen[…] Auf den „Lohengrin“, dessen Stetiger Vorstellungen bereits vor der Premiere ausverkauft waren, kann das Theater Vorpommern stolz sein. Und in die Überlegungen der Landesregierung, die drei torpommerschen Bühnen mit den zwei mecklenburgischen Spielorten Neustrelitz und Neubrandenburg zu fusionieren, bringt die neue Allianz mit Stettin eine unerwartete, höchst reizvolle Dynamik.
(Opernwelt, Februar 2014)

„Lohengrin“ in Vorpommern als Fest bravouröser Stimmen

Ein Wagner-Gedenkjahr ohne eigenen Beitrag? Am Theater Vorpommern hat man sich getraut und mit einem Kraftakt dem Meister Ehre erwiesen.[…] Das Ergebnis hat Intendant Dirk Löschner vorgestern in Stralsund präsentiert. Seine Inszenierung holt die tragische Geschichte der am allzu Menschlichen scheiternden Liebe zwischen Elsa und Lohengrin in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.[…] Löschner und seinem Team gelingt - trotz des unklar bleibenden Finales - eine Aufführung von dramatischer Wucht und zwingender Stringenz. Die Bühne gibt sich karg, aber praktisch, die Ausstattung zutreffend und ohne Übersetzungen (Christopher Melching). Dramaturgisch setzt man auf individualisierte Choreographie großer Chormassen, auf Glaubwürdigkeit und die Intensität leidenschaftlichen Agierens.[…] Der Abend wurde rechtens als Ereignis empfunden und begeistert gefeiert.
(Ostsee-Zeitung, Dezember 2013)

Der polnisch-vorpommersche Lohengrin

Der Kraftakt gelingt. Intendant Dirk Löschner setzte am Sonnabend it seiner Inszenierung von Richard Wagners Oper „Lohengrin“ im ausverkauften Theater Vorpommern Maßstäbe. Die Sonne geht über allen auf. Ganz Brabant steht wie gebannt in deren Licht. Alle Augen leuchten und sind nach oben gerichtet. Alle stehen während der Orchester-Ouvertüre gemeinsam wie an einer Schwelle am Bühnenrand. Weder Herrschaftsdünkel noch Heldenmut oder Gottesgericht stören diese Idylle. In diesem Moment hält die Welt den Atem an und es scheint, deren Lauf ließe sich mühelos mit einem Lidschlag ändern. Doch lange dauert dieser greifbare Traum nicht. Die reine Liebe wie die ideale Staatsform sind zum Scheitern verurteilt. Dirk Löschner, der Intendant des Theaters Vorpommern, legt zum Ende der diesjährigen weltweiten Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Richard Wagners die Messlatte höher. Mit seiner Inszenierung […] beweist er erfolgreich, in Mecklenburg-Vorpommern lässt sich qualitätvoll und in Zusammenarbeit mit einem Partner so ein umfangreiches Opernprojekt realisieren. Mehr noch: der aus dem Schauspiel kommende Regisseur fügt den bisherigen Ausdeutungen dieses Bühnenwerkes neue Facetten hinzu. In die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts verlegt er das ursprüngliche Mittelalterspektakel. Eine kribbelnde darstellerische Frische entlockt Dirk Löschner den fesselnden Solisten und dem beim Spiel in sich nuancenreichen Opernchor. […]
(Nordkurier, Dezember 2013)


Pressestimmen zu „Krach in Chiozza“

Italienisches Temperament in der Zinnowitzer „Blechbüchse“. Seit Sonnabend ist das mit der Premiere von „Krach in Chiozza“ Realität.[…] Premierenbesucher fanden die Aufführung „laut und ungestüm - typisch italienisch eben“. Das hätte den Dichter garantiert gefreut.[…] Nur geringfügig ändert änderte sich das Bühnenbild während der Zinnowitzer Aufführung. Aus überdimensionalen Büchern öffneten und schlossen sich je mit einem Handgriff Häuser, ein Gericht - und selbst ein schwankendes Boot konnte so wie aus dem Nichts heraus entstehen. Die Ausdruckskraft der in jedem Augenblick präsenten jungen Schauspieler zeigte sich demgegenüber unglaublich wandlungsfähig. Beides verdient großes Lob und wurde mit begeistertem Applaus belohnt. (Ostsee-Zeitung, September 2013)


Pressestimmen zu „Rigoletto“

Dirk Löschner […] verlegt die Handlung in die 1970er Jahre, der Chor tritt in der für die Zeit üblichen schrillen Alltagskleidung auf. Rigolen selbst ist weniger ein Narr denn ein zynischer Lebemann. Als Mitarbeiter des Designers „Duca“ macht er sich bei den Kollegen unbeliebt, weil er sie verspottet. Am Ende steht die Katastrophe.[…] Das Publikum in Greifswald bedankte sich mit begeisterten Ovationen. (vdoper, Mai 2013)

Dirk Löschner verlegt die Handlung aus Victor Hugos Versdrama in die schillernde Welt der Mode. Dementsprechend sind die Kostüme modern, ausgefallen, teilweise schrill. Rigolen und Monterone tragen Schwarz, Duca Weiß. Im behüteten Heim ist Gilda unauffällig gekleidet mit Strickjacke, Pantoffeln und hochgebundenen Haaren. In der Begegnung mit Luca wird sie stattdessen mit rot-weiß gepunktetem Minikleidchen und schicken Schuhen ausgestattet.[…] Wie immer im Theater Vorpommern hat der Chor einen großen Anteil am Geschehen und füllt die kleineren Nebenrollen mit Einsatzfreude und viel schauspielerischem Geschick. Die Sänger nutzen Verdis teilweise spielerische Musik und die Choreographie von Sabrina Sadowska, um die dramatische Handlung mit lebensfroher Leichtigkeit zu kontrastieren.[…] Ob man die Übertragung der Handlung in die Modeszene und der damit einhergehenden Modernisierung des Stoffes braucht, sei dahin gestellt; sie funktioniert jedenfalls[…] Dass man uneingeschränkt allen Akteuren ihre Rollen glaubte, dass sie echt wirkten, und dass sie den Zuschauern die Handlung wirklich zu spüren gaben - das war wohl die größte und wichtigste Leistung des Ensembles an diesem Abend, die verdientermaßen mit Ovationen bedacht wurde.
(Operapoint, Ostsee-Zeitung, Mai 2013)


Pressestimmen zu „Die Ballade vom traurigen Café“

Theaterblut und -matsch gegen Kleinstadt-Langeweile

Mit der Premiere am Freitagabend hat Intendant Dirk Löschner am Theater Vorpommern nun auch als Regisseur ganz programmatisch Mut zum Risiko bewiesen. Seine erste Arbeit ist „Die Ballade vom traurigen Café“, eine sehr kurze und sehr traurige, unaufgeregt erzählte Novelle der wunderbaren Carson McCullers.[…] Also, wenn da im Greifswalder Haus die Tür von außen ein paar Mal zugeknallt wurde, ist das womöglich weniger Löschner als McCullers geschuldet, die einen Hang zu bizarren Charakteren und grotesken Figuren pflegte.[…] Die von McCullers immer wieder beschriebene Kleinstadt-Langeweile des Amerika der 50er Jahre passt wie eine Schablone aufs Vorpommern des Jahres 1991. Das Dorf tratscht und wartet auf Alkoholnachschub aus dem verrotteten Kaufmannsladen von Fräulein Amelia[…] Löschner gelingt es […], das Publikum in die Sache hinein zu ziehen. Immerhin zwei Stunden lang bis zur Pause. Und dann noch mal. Eigentlich gibt es bei McCullers ja nichts zu lachen, aber es war durchaus krawallig und klamaukig, sollte es auch. Die sprachgestörte Hilflosigkeit von Henry Macy (Markus Voigt), das ängstliche Gezwitscher von Gabriele M. Püttner als Frau Peterson, das James-Dean-Gehabe von Marvin Macy (Alexander Frank Zieglarski), die Mitten-im-Satz-Wutausbrüche, der Irrsinn und der stumpfe Alkoholismus aller genial geachteten Darsteller und Statisten. Ebenso wie die Vor- und Rückblenden aus Spiel- und Toncollagen, die Geräuschatmo, mit denen Sebastian Undisz als Leiter der Schauspielmusik auch gleich noch seine Visitenkarte abgegeben hat. Die Liedtexte waren von Dirk Löschner. Da war im Laufe des Abends richtig Musik drin. Über allem stand aber die Entwicklung der Amelia. Das hat Claudia Lüftenegger in einem tadellosen Bogen durchgespielt. Von der kratzbürstig-scheuen Naturwilden zur Frau, der die Liebe das erste Lächeln ins Gesicht zaubert, schließlich bis zur Besiegten. Ja, die Schlägerei, die sie sich mit ihrem Exmann lieferte, die verschlug dem Publikum schon die Sprache. Das muss man nicht mögen. Löschners offensichtlicher Hang zu Theaterblut und Matsch, hatte auch unerträgliche Längen, aber so endet Liebe manchmal, als finales Desaster.[…] „Die Ballade vom traurigen Café“ ist vor allem eine Geschichte über die Liebe. Darüber, dass man so selten von einem Menschen zurückgeliebt wird, den man liebt. Und dass es Menschen gibt, die Liebe einfach nicht zu verdienen scheinen. Das bleibt übrig von dem Abend. Und das befriedigende Gefühl, dass es im Theater-Karton wieder ordentlich rappelt.
(Ostsee-Zeitung, Oktober 2012)


Pressestimmen zu „Macbeth“

Hysterien der Macht

… Es ist eine einzige Todesmelodie.[…] Hier, in Dirk Löschners Inszenierung, […] spielt ein abseits sitzender, einsamer Pianist […] (Musik Gero Wiest) zum unterhaltsamen Untergang, der sich auf dem Weg zu neuen Aufgängen dünkt. […] Die Grausamkeit der Macht verlangt nach Schönheit als Refugium, die Begleitmusik zum großen Morden muss heiter klingen. […]
Die Bühne von Christopher Melching: ein Highway ins Nichts, ein Zeitstrahl, schiefe Ebene, auf der der Mensch nicht gerade bleiben kann. […] Eine Transitstation plötzlich verstorbener Hoffnungen. […]
So konzentriert und bildmächtig, so lapidar und dämonisch zugleich sah man die Macht- als Angstfrage in ‚Macbeth’ noch nicht herauspräpariert. Stark auch das Ensemble: Claudia Lüftenegger als Lady Macbeth, Bernd Marquardt als Ducan, Mathias Kusche als Lord Banquo. […] Kühle Beobachtung trifft überhitzte Handlung, nüchterne Analyse verbindet sich mit mythischem Schicksalssog. Alles zugleich und jedes Partikel einzeln und klar. Man kann kaum mehr als diese ebenso sinnlich anschaubaren wie denknotwendigen Paradoxe von einer ‚Macbeth’-Inszenierung erwarten.
(Theater der Zeit, Oktober 2011)

Packender Macbeth

‘Angstfrei’ ist der Titel der neuen Spielzeit des Theaters der Altmark. Am Sonnabend ist sie mit Macbeth im Großen Haus eröffnet worden. Stehende Ovationen und frenetischer Applaus für eine atemberaubende Inszenierung. Nicht für einen Moment wurden die Zuschauer von der Angel gelassen. Stattdessen erlebten sie in einem rasanten Tempo ein Wechselbad der Gefühle: mal belustigt, mal mit Abscheu erfüllt, stets gespannt auf das, was kommt. Es wird oft gesagt, dass Shakespeare immer ‘funktioniert’, denn seine Stücke sind zeitlos und universell verständlich. Natürlich gibt es gewisse Voraussetzungen: Die Schauspieler und die Ausstattung müssen überzeugen. Beide Bedingungen wurden in Stendal erfüllt. Die von Christopher Melching entworfene Bühne ist so einfach wie genial. Wenn auch eine echte Herausforderung für die Agierenden! Auf einer nach hinten steil ansteigenden Fläche spielt sich alles ab. Ganz weit oben – in schwer zu erreichender Höhe: der begehrte Thron. Ganz besondere Erwähnung verdient natürlich das Ehepaar Macbeth, beziehungsweise seine Darsteller. Immerhin steht und fällt speziell mit diesen beiden eine Macbeth-Inszenierung. André Vetters alias Macbeth leistet schier Unglaubliches. Fast ununterbrochen auf der Bühne präsent, hält er das Publikum fest in seinem Bann, während er sich von einem sehr ehrgeizigen Mann nach dem Mord an seinem König zu einem wahren Unmenschen wandelt. Lady Macbeth ist voller Leidenschaft! Und sie versteht es, ihren Charme und ihren klaren Verstand geschickt einzusetzen. Zunächst. Später ist sie gebrochen und verzweifelt: Der von ihr geplante Mord am König tötet am Ende auch sie. Hier haben wir eine umgekehrte Entwicklung: Die ‘böse’ Lady erweckt zum Schluss unser Mitgefühl.
(Volksstimme, 29.08.2011)

Woher diese Angst?

…das eigentliche Theater der Angst (…) findet vielmehr auf der gewohnten Bühne statt und könnte sich auf jeder größeren, hauptstädtischen etwa, sehen lassen. Dirk Löschner hat Shakespeares »Macbeth« inszeniert als das, was es ist: als Drama der Angst. Die kongenial reduktionistische Bühne Christopher Melchings ist nichts als ein highway to hell, er scheint geradewegs in den Himmel zu führen – nach ganz oben eben –, aber wir wissen es besser.
Die mörderischen Diktatoren sind wahrscheinlich die angstbesessensten Menschen überhaupt. Warum ermordete Stalin seine Weggefährten? Warum ermordet Macbeth seinen besten Freund und Verbündeten? Einfacher und beängstigender kann man es nicht sagen als der neue König von Schottland in Heiner Müllers atemberaubender Übertragung: »Er war zu lange neben mir, als dass er unter mir sein könnte!« So simpel, so blutig.
André Vetters wird an Leib und Stimme zu einer einzigen großartigen Marionette der Angst – diese dunkle Göttin zieht alle seine Fäden. Absolute Macht macht absolut einsam. Und in jedem Augenblick dieses langen, kurzen Abends meint man, Heiner Müller zu hören: »Wir sind bei uns nicht angekommen, solange Shakespeare unsere Stücke schreibt.« Bei uns. Wo genau wäre das? Es gibt viele Definitionen dieser anderen, besseren Welt, ihr untrüglichstes Merkmal wäre wohl die Angstfreiheit. (Neues Deutschland, 09.09.2011)

Beispielhafter Auftakt nach Maß

…Christopher Melching hat dafür ein Bühnenbild geschaffen, das die Handlung bruch- und nahtlos ablaufen lässt.[…]Eine gewaltige Bühnenschräge nach vorn über die Rampe hinaus, nach hinten schmal überhöht wie ein Festungsturm, stellt die Schauspieler vor die Aufgabe, nur durch ihr Darstellungsvermögen zu überzeugen. Das gelingt beispielhaft.[…]
Aus Macbeth wird durch Vetters Darstellung ein halb getriebener Unmensch. Bestärkt durch neuerliche Hexensprüche glaubt er unangreifbar zu sein. Und steigert sich zu einem fast artistischen Freudentaumel (Sonderapplaus!), bevor ihn das Ende, oben auf erhöhtem Sitz kauernd, erreicht.[…]
Claudia Lüftenegger gibt ihrer Lady Macbeth weibliche Verführungskunst, absolute Willenstärke und einen ebenso absoluten Wahnsinnsausbruch vor ihrem Ende. Eindrucksvolle Lichtregie unterstützt die jeweiligen Szenen.[…]
Fazit: Ein Auftakt der TdA-Saison 2011/12 nach Maß, Beifall überschüttet und viel versprechend!
(Altmark Zeitung, 29.08.2011)


Pressestimmen zu „Ajax“

Friedhof der Kraftpakete in Stendal

Wie ausgeweidete Tiere stehen die alten Lokomotiven auf den toten Gleisen, tief klaffen die Löcher in ihren Führerständen und Motorblöcken. Container voller Schlacke und Röhrenhaufen säumen den Weg, der mächtige Schornstein raucht längst nicht mehr – verkommenes Ufer, eine Landschaft wie aus einem Text von Heiner Müller. Es ist ein brillanter Einfall des Stendaler Intendanten Dirk Löschner, die Open-Air-Inszenierung zum Abschluss seiner ersten Spielzeit auf jenen Teil des Alstom-Geländes zu verlegen, auf die Instandhaltungsfirma Schienenfahrzeuge als Ersatzteillager hortet. Denn der „Ajax“ des Sophokles spielt schließlich am Ende des Trojanischen Krieges im Schiffslager der griechischen Invasoren – mithin auch auf einem Friedhof der Mobilität. (…)

Rund um den hohen Kamin, der wie ein Obelisk des Industriezeitalters in den Abendhimmel ragt, haben die Ausstatter Christopher Melching und Christof von Büren einen szenischen Parcours gelegt: Aus einer Garage kommt anfangs die Göttin Athene im Mercedes-Cabriolet gefahren, das vor dieser Kulisse tatsächlich wie ein Streitwagen wirkt. In einem blutgetränkten Zelt begegnet man später dem Helden Ajax, der die Herden der Griechen geschlachtet hat – im wahnhaften Glauben, jene Heerführer vor sich zu sehen, die ihm die Waffen des gefallenen Achilles verweigerten. Aus Industrieschrott ist der Altar zusammengeschweißt, auf dem die Trauernden ihre Locken für den von eigener Hand gefallenen Krieger opfern. Über allem öffnen sich die Türen, aus denen Menelaos und Agamemnon ihr vernichtendes Urteil verkünden…

Es ist ein kleines, feines Ensemble, das die große Geschichte erzählt: Jan Kittmann strotzt in der Titelrolle anfangs vor Kraft und wechselt als Teukros in die Haltung eines sophistischen Anwalts, der um das Recht seines toten Bruders auf eine standesgemäße Bestattung kämpft. Frederike Duggen zeigt als Sklavin Tekmessa, wie erzwungene Zuneigung durch die Sorge um die Zukunft ihres Sohnes zu echtem Gefühl gesteigert wird. Michel Haebler ist der listenreiche Opportunist Odysseus, der aus Staatsräson für seinen toten Freund plädiert. Das Brüderpaar Menelaos und Agamemnon (in einer Doppelrolle: Bernd Marquardt) sowie der Bote (Sören Ergang) führen einen Stellungskrieg, dessen Ziel sie längst aus den Augen verloren haben.

Die wichtigste Rolle in diesem Spiel aber übernimmt ein außergewöhnlicher Chor: Während Andreas Schirra die Passagen solistisch spricht, werden diese von einer Percussionsgruppe eindrucksvoll unterstützt und akzentuiert. Schon der erste Auftritt sorgt für Gänsehaut: Auf die Metallhaut der Lok-Kadaver werden treibende Rhythmen geschlagen, wie ein Heer von Untoten tauchen die bleichen Krieger in Guerilla-Unifomen aus ihrer Tarnung auf. Mit stummen Gesten lenken sie die Zuschauer zu den Schauplätzen. Am Ende lösen sie das Bündel, das den Nachkommen des Ajax bergen soll – und marschieren hinter dem schwarzweißroten Banner, das sich dabei entfaltet, fackeltragend und trommelschlagend in die Nacht.

Man kann darüber streiten, ob diese Pointe – die Verführbarkeit einer führerlosen Masse – tatsächlich der Intention des Stückes entspricht. Dass sie aber erschreckend zeitgemäß ist, zeigt er scheinbar gemütlichste Moment des Abends. In einem Intermezzo am lodernden Feuerkorb teilen die Darsteller mit dem Publikum einträchtig Brot, Wein und Wasser – und einer der Chor-Musiker packt die Gitarre aus. Die passenden Lieder sind schnell gefunden – „Partisanen von Amur“, „Spaniens Himmel“ und „Der kleine Trompeter“. Erschreckend, wie lustig das den meisten noch über die Lippen kommt. (Mitteldeutsche Zeitung, 25.05.2010)

Eine fesselnde Tragödie

Ajax – Sohn des Königs von Salamis – hat sich wacker im Trojanischen Krieg geschlagen. Tatsächlich ist er nach Achill der tapferste und furchtloseste Krieger des griechischen Heeres. Deshalb hätten die Waffen des getöteten Achills ihm zugestanden. Die großen Heerführer Menelaos und Agamemnon sprechen die ruhmvollen Waffen jedoch Odysseus zu.

Ajax beschließt in seiner gekränkten Ehre, die zwei Fürsten und Odysseus zu töten. Doch Göttin Athene verwirrt ihm die Sinne, so dass er eine Schaf- und Rinderherde angreift und niedermetzelt – im Glauben, es seien seine Feinde.

Wieder zur Besinnung gekommen, erkennt er das Ausmaß seiner Schande und begeht Selbstmord. Nicht das Flehen Tekmessas, Gefährtin und Mutter seines Sohnes, noch die Tatsache, dass er sein Heer führerlos zurücklässt, können ihn von seinem Tun abhalten.

Als sein Halbbruder Teukros die Bestattung für Ajax vorbereiten möchte, versuchen sowohl Agamemnon, als auch sein Bruder Menelaos dies zu verhindern. Zu groß ist ihr Hass auf den einstigen Waffenbruder. Einzig in Odysseus findet Teukros einen Fürsprecher. Odysseus fordert Respekt für Ajax, indem er an dessen Heldentaten erinnert. Die Bestattung wird gewährt, das Heer kehrt unter der Führung Teukros’ nach Salamis zurück.

Griechische Tragödien sind für das heutige Publikum oft schwere Kost. Kaum ein Zuschauer ist firm in der Mythologie und die vielen ähnlich klingenden Namen der Götter und Helden verwirren. Die Stendaler Inszenierung vermag es jedoch, aus diesem mehr als 2000 Jahre alten, griechischen Drama ein fesselndes, atmosphärisches Theatererlebnis zu machen.

Das liegt zum einen an der wunderbaren Kulisse. Der Einsatz einer Percussiongruppe, die auf alten Loks, Blechkanistern und Trommeln das Geschehen akustisch untermalt – mal bedrohlich, mal wild und ausgelassen – tut ihr Übriges. Dieses Trommeln lässt keinen Zuschauer unbeteiligt. Auch im 21. Jahrhundert können wir uns nicht wirklich der Wirkung dieser archaischen Klänge entziehen. Die Entscheidung des Regisseurs Dirk Löschner, den Chor auf einen Schauspieler (Andreas Schirra) zu reduzieren, trägt ebenfalls zum Erfolg dieser Inszenierung bei.

Dieser “Chor” ist nicht steif und skandierend, er zeigt Gefühle, er agiert und macht dadurch vieles verständlicher. Ganz allein steht Schirra als Chor beziehungsweise Ajax’ Heer nicht da: die Percussiongruppe gehört dazu und sämtliche Zuschauer. Sie werden von ihren Plätzen geholt und reihen sich in das salaminische Heer ein. So sind sie manchmal sehr dicht am Geschehen, – ein weiterer Grund für die Gänsehaut.

So erleben sie einen rasenden, seine Wut herausschreienden Ajax aus nächster Nähe, diese gekränkte Helden-ehre ist beinahe fühlbar. Jan Kittmann in der Rolle des Ajax überzeugt als kraftstrotzender, mutiger Kämpfer, der ob des erfahrenen Unrechts von Sinnen ist, genauso wie als der wieder zu Sinnen gekommene Verzweifelte, der merkt, dass er sich in eine ausweglose Situation gebracht hat. Von den Göttern offensichtlich verlassen, von den Griechen gehasst und verspottet, kann er nicht in sein Vaterland zurückkehren. Er hat seine Ehre vertan.

Frederike Duggen als Ajax’ Gefährtin ist eine starke Tekmessa, die die alten weiblichen Tugenden von Zurückhaltung und Schweigsamkeit im entscheidenden Moment außer Acht lässt. Eindringlich versucht sie, Ajax zur Rückkehr nach Salamis zu bewegen. Aus Liebe zu ihm, aber auch aus Besorgnis um das Schicksal ihres Sohnes – und um ihr eigenes. Starke Darsteller!

Dirk Löschner fand unter anderem an diesem griechischen Drama die Fragen “Was machen Gruppen, die plötzlich keinen Führer mehr haben?” und “Wo finde ich Sicherheit in unsicheren Zeiten?” interessant. Wohl deshalb wird das Publikum Teil eines Experiments, indem es Teil des Ajax‘schen Heeres wird. Nach einer wunderbar verbrachten Zeit am Lagerfeuer inmitten ihrer “Kameraden” stehen die Zuschauer am Ende zwischen dem toten Ajax und den strengen, unerbittlichen Feldherren Agamemnon und Menelaos. Auf der einen Seite der streitende Teukros (Kittmann in einer Doppelrolle, auch hier sehr überzeugend), auf der anderen Seite die Widersacher.

Nun heißt es ausharren, bis sich ihr “Schicksal” entscheidet. Wenn man sich darauf einlässt, den Kopf von dem einen zum anderen wendet und in sich hineinhorcht, funktioniert dieses Experiment. Aber was auch immer der Einzelne von diesem Stück mit nach Hause nimmt: Hier ist die Gelegenheit, eine lebendige und interessante Aufführung zu erleben. Zwei Stunden, die sehr kurzweilig erschienen.
(Volksstimme, 25.5.2010)


Pressestimmen zu „Klein Eyolf“

Beeindruckende Drameninszenierung mit klaren Arrangements

Regisseur Dirk Löschner nimmt das Drama zum Anlass, um auch zu verdeutlichen, dass bis heute diese Beziehungsdramen noch vorhanden sind, keineswegs nur auf sozial benachteiligte Familien begrenzt. … Eine insgesamt durch Klarheit der Arrangements und schauspielerische Leistungen der Darsteller beeindruckende Drameninszenierung, die Henrik Ibsens Weltgeltung erneut beweist. (Altmark Zeitung, 01.02.10)

Die Szene ist schon reduzier. Die Zuschauer blicken in ein kleines Zimmer mit Blick auf ein aufgewühltes Meer. Alles scheint hier Symbol. Der mit weißen Tüchern verhängte Raum assoziiert den Ton. Das abstrakte Wasserbild im Hintergrund leuchtet in Grün-Orange. In der Mitte, wie ein störender Fleck, ein Kinderplanschbecken mit Plasteschiffchen. Damit hat Bühnenbildner und Ausstatter Christopher Melching bereits alle Motive des Stückes auf der Bühne versammelt. … Die Zuschauer haben ein feinsinniges, vielschichtiges Drama erlebt, das ganz ohne Action auskommen konnteund das man doch ganz dicht an sein eigenes Leben heranlassen musste.
(Stendaler Volksstimme, 01.02.10)


Pressestimmen zu „Faust 1“

Faust im 21. Jahrhundert: Auf einen Joint mit Teufel

Goethes „Faust“ verliert nie seinen Reiz. Obwohl Mut dazu gehört, versuchen sich Theaterschaffende allerorten immer wieder am Stoff. Der Mut des neuen Intendanten des Theaters der Altmark, Dirk Löschner, gemeinsam mit seinem Ensemble „Der Tragödie erster Teil“ auf die Bühne zu bringen, hat sich gelohnt. Das Publikum feierte die Premiere am Sonnabendabend in Stendal mit langanhaltendem Applaus.
Stendal. Der „Faust“ im Heute. Ein Mephisto im langen Ledermantel, ein Faust am Laptop, ein Gretchen mit Handy. Die wunderbaren Verse Goethes sind mit einem vorzüglichen Gespür in Szene gesetzt, stimmungsvolle Lichtspiele und peppige Musik verleihen dem Stück eine gehörige Portion Frische.

Raffinierte Bühnendrehtechnik zweier beweglicher Blöcke ermöglichen rasante Szenenübergänge – etwa zwischen Studierstube, Gretchens Zimmer, Garten und Kerker. Die Bühnenbilder sind in ihrer Kargheit auf den Punkt konzipiert. Der rastlose Forscher Faust tritt aus einen mit grünem Nebel gefüllten Zelt in weißem Schutzanzug heraus und proklamiert seine fundamentale Sinnkrise, trotz aller Studiererei nicht zu wissen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.

Mitreißendes Spiel der Protagonisten

Michel Haebler als Faust muss sich anfangs scheinbar erst warmspielen. Die unbändige verzweifelte Leidenschaft des frustrierten Wissenschaftlers zu zeigen, will in dieser Schlüsselszene nicht recht gelingen. Doch mit dem von der ersten Minute an voll präsenten Mathias Kusche als Mephisto entspinnt sich ein mitreißendes Spiel der beiden Protagonisten.

Sie schließen einen Pakt: Mephisto führt Faust zu den (Erkenntnis-)Wonnen einer anderen Welt, Faust verschreibt dem Teufel seine Seele. Witziger Einfall: Faust bekommt einen Joint verpasst und erlebt einen sagenhaften Trip. Der wild tanzende Haebler macht den anfangs verkrampften Eindruck wieder wett.

Überhaupt ist die Inszenierung oft heiter. So etwa zeigt Kusche komödiantisches Können in der Pudelszene. Haebler amüsiert als liebestrunkener, lüsterner Faust. Doch bei aller Heiterkeit: Der Schwerpunkt der Inszenierung ist auf die Tragödie um Gretchen gelegt. Frederike gibt kein naives, gottesfürchtiges Mädchen wie bei Goethe, sondern einen selbstbewussten Teenager. „Bin weder Fräulein, weder schön“ kommt sehr schnodderig. Duggen begeistert mit ihrem kontrastreichen Spiel. Dem Vers „Meine Ruh ist hin…“ verleiht sie witzige Aspekte, wälzt sie sich doch vor Liebespein am Boden. Brillant sind jedoch ihre dramatischen Auftritte, so etwa in der Kerkerszene. Wehklagen und Körpersprache der wahnsinnigen, von Schuldgefühlen zerfressenen „Sünderin“ gehen unter die Haut. Die Inszenierung ist auf gut zwei Stunden gehalten und um einige Szenen gekürzt. Der Erdgeist tritt nicht auf. Dafür zwei andere Geister, wunderbar gespielt von David Prosenc und Sören Ergang. Mephisto bedient sich ihrer in zwei Szenen, einen lässt er in die Rolle des unterwürfigen Schülers schlüpfen, den anderen in die des Valentin, Gretchens Bruder.

Was ist gut und was ist böse?

In der Stendaler Inszenierung ist es nicht wie bei Goethe Mephisto, der den Schüler einschüchtert und alle Fakultäten verhöhnt, sondern Faust selbst. Gretchen stirbt gar in den Armen des Mephisto, sein Ledermantel deckt sie zu. Damit stehen sie im Raum, die Fragen: Was ist gut, was böse? Wer ist jetzt der Gute, wer der Böse? Kann selbst ein Mephisto nicht mehr gegenhalten im menschlichen Erkenntnisdrang, der Konsequenzen und Verantwortung negiert? Die Inszenierung hat es geschafft: Nach großem Beifall für einen neuen „Faust“ geht es sehr nachdenklich aus dem Theatersaal.


Pressestimmen zu „Anatevka“

Bejubelte Musical-Inszenierung

Es war sicher ein Kraftakt für Regisseur Dirk Löschner, unterstützt durch Choreograf Adrian G. Turner, aus einem Konglomerat von Gästen, Laiendarstellern und -chor sowie den Schauspielern des TdA ein Team zu formen, diese Ensembleleistung wie zur Premiere am Samstagabend von “Anatevka” zu erarbeiten. In einem Bühnenbild, das wie im Setzkastenprinzip das “Stättl” Anatevka zeigt (Ausstattung Christopher Melching), entwickelt sich die spannende Geschichte um Milchmann Tevje, seine Familie und die Dorfgemeinschaft. Nicht weniger Anteil daran hatte auch Gero Wiest, der aus der Partitur heraus ein Klezmerarrangement schuf. Die fünf Musiker wurden so eine zur Szene gehörige Gruppe, die im Geschehen wie selbstverständlich handelte. Mit Manfred Ohnoutka stand ein Tevje auf der Bühne, der mit erleben musste, wie in Anatevka, das – siehe Eingangschor – der Tradition bewusst aufgeschlossen und verpflichtet war, sich immer weiter die Gegenwart mit ihren Widersprüchen durchsetzt. Seine zunächst geübte Philosophie “einerseits – andererseits” bei den beiden älteren Töchtern und ihren Heiratsabsichten gegenüber Zeitel (Anne Noack), die ihren Schneider Mottel (Michel Haebler) erhält, statt mit dem dicken Fleischermeister verheiratet zu werden; und Hodel (Ico Benayga), die dem revolutionären Denker (Jan Kittmann) in die Verbannung folgt, zerbricht an der Dritten im Bunde Chava (Susanne Kreckel), die schließlich einen Russen in dessen Kirche heiratet. Ehefrau Golde (Tabea Scholz) führt zwar strenges Hausregiment, kann sich aber den neuen Tatsachen gegenüber auch nicht durchsetzen. Diese in sich schon dramatische Geschichte, mitunter auch aufheiternd wie im Solo des Milchmanns im Gespräch mit seinem Gott oder in der inszenierten Traumszene, die dieser seiner Frau vorführt, um der Erstgeborenen zu ihrem geliebten Mann zu verhelfen, ist eingebettet in das Geschehen im Dorf, das mit der Zarenduma auf Ausweisung innerhalb von drei Tagen endet. Hier zeigten Tänzer und Chor in unterschiedlichen Typen, wie diese Dorfgemeinschaft mit alle ihren Eigenproblemen durch die Geschichte getrieben wird. (…) Diese Ensembleleistung erbrachte den höchst verdienten Erfolg.
(Altmark Zeitung 22.11.2010)

Klezmer, jiddischer Humor und ein grandioses Fotoalbum

Das Erfolgsmusical “Anatevka” hat am Sonnabend im Theater der Altmark einen weiteren Erfolg feiner können. Tosender Applaus für eine mitreißende Aufführung. Anatevka ist ein armseliges kleines Dorf. Irgendwo im zaristischen Russland in den Jahren vor der Revolution, genauer gesagt im Jahr 1905. Die jüdischen Bewohner leben seit langer Zeit in friedlicher Koexistenz mit ihren andersgläubigen Nachbarn. (…) Milchmann Tevje und die anderen Juden des Ortes können ihre Traditionen aufrechterhalten. Die uralten Traditionen haben ihnen in ihrer Diaspora stets Halt gegeben. Jeder kennt seinen Platz und seine Rolle in der Gemeinschaft. Der Vater ist der Ernährer und Bestimmer der Familie, die Frau für den Haushalt und die Kinder zuständig, der Nachwuchs ordnet sich dem Wort des Patriarchen unter. Geheiratet wird nur, wen der Vater mit Hilfe einer Vermittlerin bestimmt. Tevje ist ebenfalls traditionsbewusst. Doch nun, das die ältesten drei seiner fünf Töchter in heiratsfähige Alter kommen, gerät sein Weltbild ins Wanken. (…)
Aus Liebe zu seinen Töchtern bricht der Milchmann mit den Traditionen und nimmt den Ehestreit mit seiner Golde in Kauf. Nur als die dritte Tochter einen russischen Goj einen Nicht-Juden, heimlich heiratet, ist für Tevje die Grenze überschritten. Dieser Beziehung verweigert er den väterlichen Segen. Chava ist für ihn als Tochter verloren. Tevjes Welt wird nicht nur in familiärer Hinsicht auf den Kopf gestellt: Ein Erlass des Zaren verfügt, dass alle Juden Anatevka verlassen müssen. (…)
Auf der Stendaler Bühne sieht man kein typisches Anatevka. Ausstatter Christopher Melching hat stattdessen ein Bühnenbild geschaffen, das an ein großes Fotoalbum erinnert: Die Schauspieler sitzen in Rahmen, aus denen sie nur manchmal herabsteigen. Hier wird eine Geschichte erzählt. Es ist, als ob jemand alte Aufnahmen zeigt, während er sich erinnert: “Damals in Anatevka…” Die Wirkung ist für den Zuschauer grandios, und lange Umbauten zwischen den Szenen werden auf diese Art und Weise vermieden. Regisseur Dirk Löschner hat mehr als 40 Leute in seiner Inszenierung auf die Bühne gebracht: Schauspieler aus dem Stendaler Ensemble, Gastschauspieler und viele Laiendarsteller. Sie alle tragen zum Gelingen dieser Aufführung bei. Erwähnt werden können hier jedoch nur einige. Hauptdarsteller Manfred Ohnoutka zum Beispiel. Er setzt vor allen Dingen auf den jiddischen Humor des Tevje und spielt sich so in die Herzen der Zuschauer. Tabea Scholz überzeugt als Ehefrau Golde, sowohl schauspielerisch , als auch gesanglich. Claudia Lüftenegger (kaum zu erkennen als dicke Heiratsvermitterin mit Oberlippenbart) ist wunderbar wie immer. Mathias Kusche als Fleischer ebenfalls. Beide geben diesen kleineren Rollen eine unglaubliche Intensität. Gero Wiest, musikalischer Leiter des Theaters, hat für dieses Musical eine Klezmer-Fassung geschrieben. Statt eines großen Orchesters ist eine fünfköpfige Band in die Handlung auf der Bühne integriert: Kinneret Sieradzki (Geige), Régis Vincent (Klarinette), Konstantin Buryan (Akkordeon), Mario Bärecke (Kontrabass) und Robert Grzywotz (Gitarre). Sie machen die ohnehin wunderbare Musik noch mitreißender. Hier kann der Zuschauer die Lebensfreude und die Traurigkeit, die in den Liedern steckt, nicht nur hören, sondern auch sehen. “Anatevka” bietet Humor und Anrührendes in kurzweiligen drei Stunden.
(Stendaler Volksstimme, 22.11.2010)


Pressestimmen zu „Die Wanze“

(Stendaler Volksstimme, 16.11.2009) ‘Die Wanze’ ist für nur einen Schauspieler geschrieben. Ganz allein muss dieser sich durch die gesamte Insektenwelt des Vorstadtgartens spielen. (…) Sören Ergang 90 Minuten in Aktion auf der Bühne. Und er spielt sie alle: Muldoon natürlich, aber auch die halbstarken Kakerlaken, den hartgesottenen Kneipenwirt Dixie, die diensteifrigen Ameisensoldaten, die flotte Motte und…und…und. (…) So wird Ergang mit Kittelschürze und Strickzeug zur betulichen Königin der Ameisen, einen Trenchcoat weiter ist er der knallharte Ameisenkommandant Krag. (…) Veränderung in der Stimme und Mimik, eine völlig andere Körperhaltung – und er wird zur Stubenfliege auf Zuckerentzug oder zur vamphaften Wespenkönigin. Sören Ergang zieht alle Register und ist beeindruckend wandlungsfähig. So gab es (…) tosenden Applaus für ‘Die Wanze’, aber vor allen Dingen für einen grandiosen Ergang.


Pressestimmen zu „Norway.Today“

Vom Leben am Abgrund

Die Nachricht des jungen Norwegers war “nur für Leute bestimmt, die sich umbringen wollen”. Am 9. Februar 2000 erklärt Daniel V. im Internet seine Absicht, Selbstmord zu begehen. Es sei keine plötzliche Entscheidung, vor allen Dingen jedoch sei es ernst gemeint. Und: “Ich möchte es mit jemandem zusammen tun.” Das Theater der Altmark hat diese Begebenheit inszeniert.

Tatsächlich meldet sich auf die Internet-Mitteilung eine junge Österreicherin, Vorbereitungen werden getroffen und beide springen kurz darauf von einem 600 Meter hohen Felsen am Lysefjord in den Tod.

Diese wahre Begebenheit diente dem Schweizer Autor Igor Bauersima als Vorlage für “Norway. Today”. Hier ist es Julie (“Ich passe nicht unter Menschen.”), die per Internet Gleichgesinnte sucht. August meldet sich. Auch er hat stets das Gefühl gehabt, dass er nichts mit dem Leben zu tun habe. “Alles ist fake”, sagt er. Nichts ist echt oder real, geschweige denn wichtig.

Obwohl er mit seinen 19 Jahren eigentlich zu jung ist für Julies Pläne (“Ich will keine Anfänger mit reinziehen!”), fahren beide nach Norwegen an einen verschneiten Fjord. Am nächsten Morgen wollen sie springen.

Auf der Stendaler Bühne werden die zwei Selbstmord-Touristen von Frederike Duggen und Jan Kittmann dargestellt. Ein weißes Stufenpodest ist der schneebedeckte Felsen (Ausstattung: Christof von Büren).

Hier baut Julie geschäftig das kleine Zelt auf, während August pausenlos auf sei einredet. Das nervt die kühl und gelassen wirkende Julie, aber nichts bringt August zum Schweigen. Er zwingt Julie zum Reden, zum Reagieren. Die beiden liefern sich ein witziges Wortduell, in dem gefragt, hinterfragt und verbal attackiert wird. Die kühle Julie wird immer leidenschaftlicher und August, der zu Beginn behauptete, nichts mit dem Leben zu tun zu haben, wirkt plötzlich absolut lebendig und normal. Die beiden fühlen sich zu einander hingezogen, verlieben sich. Eine wirkliche Liebesnacht gibt es jedoch nicht. Die spielt sich nur in ihren Köpfen und Gesprächen ab. Und das reicht für ein echtes Glücksgefühl. “No fake!”, keine Fälschung, sondern ein Stückchen vom wahren Leben.

Trotzdem bleibt es bei ihrem Vorhaben. Am nächsten Morgen wir die Videokamera gezückt, um Verwandten und Freunden letzte Botschaften zu hinterlassen. Was beide vor der Kamera von sich geben, gefällt ihnen nicht.

Auch nach mehreren Versuchen schaffen sie es nicht, das auszudrücken, was sie beabsichtigen. Alles hört sich abgedroschen und hohl an. Ihnen wird langsam klar: Eigentlich gibt es keinen Grund für einen Freitod.

Wie sagt August so treffend? “Es könnte sein, dass wir soeben von einem Glück getroffen wurden, von dem wir uns so schnell nicht mehr erholen werden.” Im Gegensatz zu der wahren Begebenheit aus dem Jahr 2000 endet “Norway. Today” nicht mit dem Sprung in die Tiefe. Es gibt jedoch auch kein Happy-End im klassischen Sinn. Das Ende bleibt offen, beim Publikum macht sich jedoch die Gewissheit breit, dass Julie und August leben werden. Die Inszenierung von Dirk Löschner und Katharina Holler beschert den Zuschauern ein “ungfaktes” Theatererlebnis. Das Stück kommt in seiner gesamten Tragikomik zur Geltung, die beiden Darsteller sind in ihrem temporeichen Zusammenspiel grandios!

Die Premiere im Kleinen Haus des Theaters der Altmark wurde mit stürmischem Beifall gefeiert.
(Stendaler Volksstimme, 30.08.2010)

Zehn Sekunden totale Freiheit

Igor Bauersima hat für sein Stück “Norway. Today” ein reales Vorkommnis als Ausgangspunkt benutzt: Übers Internet fanden sich zwei Jugendliche, um gemeinsam vom “Predigt-Stuhl”, einer beliebten norwegischen Touristenattraktion, in den Tod zu springen. “Norway. Today” bringt ebenfalls zwei junge Menschen auf die Bühne, die den gleichen Vorsatz haben: Einmal im Leben etwas “Richtiges” tun, zehn Sekunden totale Freiheit in den Tod. (…)

Das Publikum wird zunächst zur angerufenen Internet-Familie. Im Spot stehend surft sie in dieser fiktiven Realität, eine andere kennt sie aus guten Verhältnissen stammend kaum und findet ihn, der den “Kick” mit ihr machen will – am anderen Bühnenrand ebenfalls zunächst im Spot stehend.

Danach treffen sie, mit dem Notwendigsten ausgerüstet: Zelt, Schlafdecke, Proviant und Camcorder, auf dem Fjordfelsen aufeinander, um gemeinsam sterben zu wollen. Aber es kommt anders: Im Extremfall, sie stürzt dabei schon fast einmal ab, fleht sie um Hilfe “Rette mich!” und wird gerettet. Wie die beiden Darsteller ihre Situation durchspielen, das ist erregende Schauspielkunst. Ihre beginnende Zuneigung bekennen sie im “Als-ob-Gespräch”.

Ihr letztes Zusammensein im intimen Zelt durchspielen sie auf beiden Seiten der Bühne stehend sprachgewaltig. Überwältigt erleben sie Polarlicht im wirklichen Leben und nicht nur als Fake im Internet. Lohnt es doch noch zu leben, an Zukünftiges zu denken, miteinander? Sie posieren vor dem Camcorder mit Abschiedsreden an die Angehörigen und – werfen den CompactFlash statt sich selbst in den Abgrund. “Komm hier weg” bekennt sie abschließend. Zwei Schauspielerpersönlichkeiten, die schon in “Ajax” ihr Können bewiesen, halten ihr Publikum durch intensives Spiel auch sprachgewandt in Bann. Sie sind 90 Minuten lang Julie und August mit allen Problemen, Erkenntnissen und Bekenntnissen zum “echten Leben”. Ein sehenswerter Schauspielabend!


Pressestimmen zu „Der mechanische Prinz“

Max soll sein Herz finden

Das Theater der Altmark hat in Koproduktion mit dem Detmolder Sommertheater und dem Theater des Lachens Frankfurt (Oder) das Jugendbuch “Der mechanische Prinz” von Andreas Steinhöfel als Theaterstück auf die Bühne gebracht. Am Sonntag hatte die Inszenierung ihre Premiere.
Stendal. Im Zentrum des Geschehens steht Max. Die alte Marlene, die Federn für Engel sammelt, erklärt ihm zu Beginn, dass in Kindern noch beides ist – Gut und Böse. Irgendwann entscheiden sie sich für die eine oder andere Richtung. Max balanciert gefährlich am Abgrund. Er fühlt sich ungeliebt, was ihn unsäglich traurig macht. Oft schlägt diese Traurigkeit um. Dann empfindet er nur noch große Wut und Hass.
Ein goldenes Ticket, das ihm ein Bettler in der U-Bahn gibt, kann Rettung für ihn sein. Mit diesem Ticket kann er in verschiedene “Refugien” reisen, in denen er sich gewissen Aufgaben oder Erkenntnissen stellen muss. Der mechanische Prinz gibt ihm irgendwann die letzte und wichtigste Aufgabe: Max soll sein Herz finden und retten.
Viele Hindernisse und Gefahren begleiten Max’ Weg. Und es ist nicht immer klar, wer Freund oder Feind ist.
“Der mechanische Prinz” in der Bühnenfassung von Sascha Löschner ist ein Theaterstück mit Schauspielern und Puppen. In der realen Welt auf dem Bahnsteig agieren die Schauspieler, in den Refugien – eine “Wand” des Bahnsteigs wird transparent – führen diese dann die Puppen.
Ausstatter Christof von Büren hat ein wunderbares Bühnenbild und ebenso wunderbare Puppen erschaffen. Natürlich sind Puppen immer nur so gut wie diejenigen, die sie führen.
Aber auch das stimmt in dieser Inszenierung: Allen voran natürlich Björn Langhans, der den Max spielt. Kollegin Claudia Luise Bose steht ihm in nichts nach, wenn sie in die Rolle der Tanita (reale Welt) schlüpft oder im Refugium die Puppe Sprudel mit Leben erfüllt. Dirk Löschner führt in dieser Inszenierung nicht nur Regie, sondern auch zwei Puppen-Charaktere. Außerdem ist er der Bettler, der Max das goldene Ticket schenkt.
Ensemble-Mitglied Claudia Lüftenegger ist “nur” in der realen Welt zu erleben: zunächst als wunderliche Marlene, später als patente Currywurst-Buden-Betreiberin.
“Der mechanische Prinz” ist eine spannende und faszinierende Geschichte darüber, was in vielen Jugendlichen vor sich geht und was sie manchmal zum Explodieren bringt. Die Stendaler Aufführung ist absolut sehenswert. Für alle Jugendlichen und Junggebliebenen ab acht Jahren. (Stendaler Volksstimme)

Mit Gold mitten ins Herz

Diese Uraufführung am Theater der Altmark, die am Sonntagnachmittag Premiere hatte, wird sicher viele junge und auch nicht mehr ganz junge Zuschauer begeistern. Am Premierennachmittag wollte jedenfalls der Beifall kaum ein Ende nehmen. Immer wieder mussten die vier Darsteller/Puppenspieler Claudia Lüftenegger, Claudia Luise Bose, Björn Langhans und Dirk Löschner, der auch Regie führte, zurück auf die Bühne zum Verbeugen kommen.
Sascha Löschners Dramatisierung von Andreas Steinhöfels Buch “Der mechanische Prinz” traf sehr genau den Nerv heranwachsender Jugendlicher.
Dieser Max (Björn Langhans), Sohn wohlhabender Eltern, die sich aber viel zu sehr um sich selbst als um ihn kümmern müssen, hat Trauer und Wut darüber im Bauch. Er rennt allem davon.
Auf dem Bahnhof trifft er auf einen einarmigen Bettler (Dirk Löschner), der ihm ein goldenes U-Bahn-Billett schenkt nd vor dem mechanischen Prinz warnt. Eine exaltierte Dame (Claudia Lüftenegger) beschenkt ihn mit einer Feder, die sie selbst für den “Vogel” sammelt, damit er fliegen kann. Schließlich trifft er noch auf Tanita (Claudia Luise Bose), die ebenso wie er mit dem goldenen Ticket in die “Refugien” reisen möchte. In diesen Orten der Selbstfindung, der Prüfung und Rettung muss er sein Herz wieder finden, das heißt seinen unverwechselbaren Lebensweg erkunden.
Geschieht die Anfangshandlung auf dem Bahnsteig noch in der “Bühnenrealität” (Ausstattung Christof von Büren), so erfolgt die Reise durch die verschieden Stationen der Refugien bis hin in den Tempel der Herzen mit Hilfe von Handpuppen-Darstellungen. Die wiederum werden sichtbar von den Puppenspielern geführt.
So entstehen zwischen Max (geführt von Björn Langhans) und Jan (geführt von Dirk Löschner – der wie auch die anderen beiden Mitspieler in mehrere Rollen und Figurenführungen schlüpft – spannende Rede- und Spielduelle. Die Entscheidung fällt schließlich zu Gunsten des lebensbejahenden Herzen, das den Eisklotz de des Widersachers/Vorbilds schmilzt.
Im Kleinen Haus entstand eine spannungsgeladene Geschichte. In dem rund 80 Minuten dauernden Spiel herrschte fast atemlose Stille, die erst im Beifall für die Darsteller und ihr künstlerisch-wirkungsvolles Spiel aufbrach. Das Stück entstand als eine Koproduktion mit dem Theater des Lachens aus Frankfurt/Oder und dem Sommertheater Detmold. (Altmark Zeitung)


Pressestimmen zu „La Serva Padrona“

Unerhörte Liebe eines Narren

Commedia dell’Arte in der Lausitz

Ach Vespone! Armer Tor, bedauernswerter Narr! Alles hat er gegeben, um die Angebetete, Serpina mit Namen, zu erhaschen. Hat die kleine Bühne und das Drumherum beackert wie ein Blöder, hat gymnastische, mimische und allerlei andere Verrenkungen ausprobiert, hat sich als Gewichtheber ausgezeichnet, sogar mit dem Tablett jongliert. Doch umsonst, nichts hat es genützt, das kapriziöse Objekt der Begierde verschmäht ihn, ein anderer gewinnt ihr Herz. Und dies aus dem ebenso banalen wie kaum zu widerlegenden Grund, dass dieser Andere ein Padrone ist, ein Herr – Uberto. Wo mehr Knete und höheres Ansehen locken, da kann ein Diener wie Vespone wohl nicht landen. So ist die Welt nun einmal. Die einen haben Glück, die anderen geben den Harlekin. Willkommen in der Commedia dell’Arte.

Der Clou ist die geglückte Überraschung: denn Vespone ist in dem 1733 auf einen Text von Gennaro Antonio Frederico komponierten „Intermezzo comico per musica“ „La Serva Padrona“ (Die Magd als Herrin) von Giovanni Battista Pergolesi nur als stumme Rolle vorgesehen; eigentlich eher eine Randfigur, die den munteren Geschlechterkampf zwischen Serpina und Uberto pantomimisch begleitet. Die eigentliche Geschichte des Intermezzos, das seinerzeit als Pausenunterhaltung einer Opera seria-Vorstellung diente, ist die List der Serpina, mit der sie ihre Heirat einfädelt, um auf der gesellschaftlichen Leiter nach oben zu klettern. Bei einem schwächelnden Gegner wie ihrem zukünftigen Ehegatten hat sie leichtes Spiel. Der junge Regisseur Dirk Löschner, der „La Serva Padrona“ beim Lausitzer Opernsommer auf Gut Repten in deutscher Übersetzung inszeniert hat, umschifft zu Gunsten des Dienersdie Gefahr der Langeweile durch das dünne Sujet. Löschner forciert ideenreich das Spiel, überträgt dem wunderbar komischen und gelenkigen Oliver H.C. Grice die Rolle des Vespone und lässt ihn nach Herzenslust als tragikomischen Gaukler umherwuseln...

Märkische Allgemeine 14./15.08.1999

Tricks und Tücken der Liebe

Gelungene Premiere von „La Serva Padrona“ vor dem Reptener Herrenhaus

Mit Gepolter landet Vespone durch den Vorhang auf der Bühne: sein Herr hat im morgendlichen Griesgram dem Wunsch nach Schokolade Ausdruck verliehen. Vespone ist der Arlecchino-Figur nachempfunden, die in der Opera Buffa für den mehr oder weniger weisen Narren steht. Seine Aufgabe ist es, in der ersten Viertelstunde die Charaktere zu skizzieren. Neben dem griesgrämigen Uberto ist da noch die Magd Serpina, hübsch und kompetent.

Beinahe nebenbei gelingt es ihm, in dieser Viertelstunde auch die Eckpfeiler der Inszenierung für das Publikum zu enthüllen: Orchester wie Publikum werden in das Spiel mit einbezogen und so der Aktionsradius von der Veranda und Treppe des Gutshauses aus vergrößert.

Wortwitz und überzeichnete Klischees als Mittel der Komik werden angesprochen und ziehen sich als roter Faden durch die Aufführung. (…)

Die Geschichte wird wesentlich in Gesten und Bildern erzählt. In diesem Punkt bringen es Erik Werner (Uberto), Cornelia Berner (Serpina) und Oliver Grice (Vespone) zur Perfektion. ... Das Spiel ist damit eröffnet, die regeln sind bekannt, ein Stückchen von sich selbst erkennt man in jeder Figur. Den Tricks und Tücken der Liebe zuzusehen ist immer amüsant, solange man nicht selbst drinsteckt. Orchester und Kulisse tragen ihren Teil dazu bei, das Stück heiter und kurzweilig auf die Bühne zu bringen.

Lausitzer Rundschau 13.08.1999


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